Kultur
Kos gilt als Insel des Hippokrates. Doch neben der Antike haben auch die Johanniter, die Osmanen und die Italiener ihre Spuren hinterlassen. Bis heute prägen Kirchen, Burgen, Dorffeste und alte Bräuche das Leben auf der Insel.
Hippokrates und die Medizin
Hippokrates wurde um 460 v. Chr. auf Kos geboren und gilt als Begründer der wissenschaftlichen Medizin. Er und seine Schüler lehrten, dass Krankheiten natürliche Ursachen haben und nicht von den Göttern geschickt werden. Ärzte sollten Kranke genau beobachten, Befunde beschreiben und den Verlauf einer Krankheit verfolgen. Unter seinem Namen sind rund 60 Schriften überliefert, das „Corpus Hippocraticum“. Viele davon stammen allerdings von späteren Ärzten seiner Schule. Das gilt vermutlich auch für den berühmten Eid, dessen Grundgedanken bis heute im ärztlichen Gelöbnis weiterleben.
Das Asklepieion
Rund 4 km südwestlich der Stadt liegt das Asklepieion, ein Heiligtum des Heilgottes Asklepios. Es wurde erst nach dem Tod des Hippokrates angelegt und war zugleich Tempel, Kurort und Ärzteschule. Die Anlage steigt in drei Terrassen den Hang hinauf. Auf der unteren lagen Säulenhallen und später römische Bäder, auf der mittleren der Altar und ein kleiner Tempel, ganz oben ein großer Tempel des Asklepios. Von dort reicht der Blick über Kos-Stadt bis zur türkischen Küste. Entdeckt wurde das Heiligtum 1902 vom deutschen Archäologen Rudolf Herzog gemeinsam mit dem koischen Gelehrten Iakovos Zarraftis.
Hippokrates
Der spätere „Vater der Medizin“ wird auf Kos geboren.
Eine neue Hauptstadt
Die Koer gründen ihre Hauptstadt an der Nordostspitze neu, dort, wo heute Kos-Stadt liegt.
Ein Pharao von Kos
Ptolemaios II., später König von Ägypten, kommt auf der Insel zur Welt.
Römerzeit
Kos kommt unter römischen Einfluss. Es entstehen Thermen, Villen und Mosaike.
Die Johanniter
Der Ritterorden übernimmt die Insel und baut Burgen in Kos-Stadt und Antimachia.
Osmanische Zeit
Die Osmanen erobern Kos. Fast vier Jahrhunderte bleibt die Insel unter ihrer Herrschaft.
Italienische Zeit
Italien besetzt die Dodekanes-Inseln. Nach dem Erdbeben von 1933 entsteht ein neues Stadtbild.
Zweiter Weltkrieg
Nach Kämpfen zwischen britischen und deutschen Truppen besetzt die Wehrmacht im Oktober die Insel.
Teil Griechenlands
Nach dem Friedensvertrag von 1947 wird der Dodekanes am 7. März 1948 offiziell mit Griechenland vereint.
Das Seebeben
Ein Beben der Stärke 6,6 beschädigt die Altstadt und den Hafen von Kos-Stadt.
Meine Reise
Ich verbringe meinen Urlaub auf Kos. Im selben Jahr erhält der Weinkäse Krasotyri seine geschützte Herkunftsangabe.
Burgen und Ruinen auf dem Land
Die Johanniter sicherten die Insel mit mehreren Festungen. Die Burg von Antimachia in der Inselmitte umschließt mit ihren langen Mauern eine große Fläche, in ihrem Inneren stehen noch kleine Kirchen. Am Berghang über Pyli liegen die Ruinen von Palio Pyli, einer byzantinischen Burgsiedlung mit verfallenen Häusern und Kapellen. Unten im Dorf Pyli erinnert das Charmyleion an die Antike: ein Grabmal aus hellenistischer Zeit, über dem später eine Kirche errichtet wurde.
Glaube und Feste
Die meisten Koer gehören der griechisch-orthodoxen Kirche an. Über die ganze Insel verteilt stehen kleine weiße Kapellen, manche auf Berggipfeln, manche auf winzigen Inseln wie Kastri vor Kefalos. Am Namenstag einer Kirche feiert das Dorf ein Panigyri mit Gottesdienst, Musik, Tanz und gemeinsamem Essen. Das größte Fest des Jahres ist Ostern. Am 15. August, Mariä Entschlafung, wird in ganz Griechenland gefeiert. Und am 7. März erinnert der Dodekanes an seine Vereinigung mit Griechenland.
Die Zeit der Italiener
Die italienische Herrschaft hat Kos stärker geprägt, als man auf den ersten Blick denkt. Die Italiener legten Straßen, einen Stausee und das heutige Stadtzentrum an, gruben die antike Stadt aus und bauten das Archäologische Museum. Zugleich versuchten sie, die griechische Sprache und Kultur zurückzudrängen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam Kos zu Griechenland.
Kultur im Sommer
Im Sommer lädt die Stadt zu den „Ippokrateia“ ein, einem Kulturfestival mit Theater, Konzerten und Ausstellungen. Viele Veranstaltungen finden unter freiem Himmel statt, an historischen Orten wie dem Odeon oder in der Burg.